Corona-Pandemie, eine drohende Wirtschaftskrise und immer mehr importierte Konflikte auf den Straßen. Viele Wienerinnen und Wiener blicken in eine ungewisse Zukunft. Nicht zuletzt finanziell ist die Lage angespannt. Vor allem in turbulenten Zeiten ist es wichtig, mit dem hart erarbeiteten Steuergeld der Bevölkerung sorgfältig und sinnvoll umzugehen. Bei einem Blick auf den letzten Subventionsbericht der rot-grünen Wiener Stadtregierung, sieht man diesen Wunsch aber eher nicht erfüllt. In der Bundeshauptstadt sitzt das Geld für Vereine locker. Und das treibt bisweilen absurde Blüten …

Eine Recherche von René Rabeder

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Die Magistratsabteilung 13

Gleich auf einer der ersten Seiten des Berichtes findet sich der Verein „Afro Rainbow Austria“. Laut eigener Beschreibung die erste afrikanische LGBTQI+ Plattform Österreichs. 15.000,- Euro investierte die Stadt Wien dort in ein „Queer African Food Festival“. Ob es ein solches Festival überhaupt jemals gegeben hat, lässt sich auf der seit 2018 offenbar nicht aktualisierten Webseite nicht herausfinden. Auf Facebook findet man dann aber ein paar Bilder vom letzten „Vereinsausflug“.

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Die zuständige „Magistratsabteilung 13 – Bildung und außerschulische Jugendbetreuung“ weist direkt darunter den nicht näher definierten Posten „Aktivitäten im Rahmen der Antidiskriminierungsarbeit“ mit 21.000,- Euro aus. „Antidiskriminierungsarbeit, sexuelle Orientirungen und Geschlachtsidentitäten“ (Fehler im Original!) steht daneben zu lesen.

Neben 292.000,- Euro für den Verein „Multikulturelles Netzwerk“ und dem „Verein Backbone“, der offenbar stolze 547.790,– Euro zur „Förderung von Kommunikation und Nachbarschaft in der Brigittenau“ benötigt, hat die MA13 auch noch 33.000,- Euro für die „Beziehungs- und Sexualforschung“ des Vereins „COURAGE“ übrig. Von dort erreicht einen trotz Corona die gute Nachricht: „Die Gruppen YOUNG TRANS* 2 und 3 sowie die Gruppe TRANS* IDENTITIES finden statt“. Immerhin.

Die etwas traditionellere Homosexuellenvertretung „HOSI“ wird mit 21.000,- Euro bedacht. Mehr, nämlich 28.731,- Euro, gibt es für die „Queer Base“, die laut eigenen Angaben, Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Interpersonen (LGBTIQ), unterstützen will, die nach Österreich geflüchtet sind.

Beratung und Bestärkung

Mit 50.000,- Euro gibt es zudem eine runde Summe für den „Verein poika“. Dieser dient der Förderung von gendersensibler Bubenarbeit in Erziehung und Unterricht.
Der Verein „Verein Türkis Rosa Lila Tipp“ wird im Bericht gleich zweimal bedacht. Nämlich für 2019 und für 2020. Jeweils mit 18.000,- Euro. Dort im Vereinshaus, nämlich in „der Villa“, gibt es mitunter neben Trans*SchwulenQueer-Beratung auch Lesben- und Trans* Bestärkung.

Damit man beispielsweise am Weg zu einer solchen Bestärkung auch das richtige Radioprogramm hört, subventioniert die MA13 noch den „Verein zur Förderung und Unterstützung von Freien Lokalen Nichtkommerziellen Radioprojekten“ mit 422.000,- Euro. Dafür gibt es etwa das „Radio Orange“, welches in 25 Sprachen sendet. Trotz der großzügigen Förderung agieren die Redakteure übrigens ehrenamtlich, wie auf der Homepage zu lesen ist.

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Die MA17

Weiter geht es mit der „Magistratsabteilung 17 – Integration und Diversität“.
Unter „Diverse FördernehmerInnen (Rahmenbetrag)“ findet man dort einmal einen Beschlussbetrag über 700.000,- Euro und einen weiteren über 120.000,- Euro. Ersterer für die Förderung des Spracherwerbs für neu nach Wien zugewanderter Personen und der „kleinere“ Betrag für die Förderung von Aktivitäten im Rahmen von Integrations- und Diversitätsangelegenheiten.
Bildungsmaßnahmen für Kinder und  Startbegleitung für Asylberechtigte und Subsidiär Schutzberechtige, etwa erstsprachige Beratung für neuzugewanderte Personen, lässt sich die MA17 2.156.170,- Euro kosten.

Dagegen ist die Beratung von MigrantInnen zum Fremdenrecht und den verbundenen Materien des Vereins „Helping Hands“, einem „Koordinationsbüro für integrative und antirassistische Projekte“, mit 37.000,- Euro schon fast günstig. Jenen Verein, der die zuletzt etwas angeschlagene österreichisch-türkische Freundschaft stärken soll, bedenkt man mit 41.000,- Euro. Die Beratungsstelle „Fibel“, die sich mit den Folgen bikultureller Ehen und Lebensgemeinschaften befasst, mit 93.930,- Euro.

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Erklärung des Autors

Natürlich stellt dieser Artikel nur eine kleine Auswahl zur Verfügung. Vor allem die für Kultur zuständige Magistratsabteilung 7 findet hier noch nicht einmal Erwähnung. Und auch über „Okto.tv“ werden wir uns an anderer Stelle noch unterhalten müssen. Wer sich selbst ein Bild machen will, kann das im Subventionsbericht der Stadt Wien jederzeit machen. Betont sei an dieser Stelle, dass es hier nicht darum gehen sollte, Neid zu schüren. Auch nicht darum, die teilweise aufopferungsvolle Arbeit der vielen Vereine schlecht zu reden. Aber in Zeiten, in denen kleine Unternehmer verzweifelt auf Hilfe hoffen, in Zeiten, in denen Mindespensionisten nicht wissen, ob es morgen noch zum Essen reichen wird, in solchen Zeiten muss man an anderer Stelle genau hinsehen. Der rot-grüne Wiener Subventions-Sumpf ist ein guter Ort, damit zu beginnen.

Bildquellen

  • Förderungen: Symbolbild: New Africa / Shutterstock.com