„Wir dürfen aus heimlich aufgenommen Film- und Videoaufnahmen nicht einfach so alles veröffentlichen. Sondern nur Dinge, wo es ein überragendes öffentliches Interesse gibt. Deswegen haben wir uns damals für die ausgewählten Sequenzen entschieden.“ So erklärte Frederik Obermaier von der „Süddeutschen Zeitung“ am 13. Mai 2020 in der „Zeit im Bild“, warum man nicht gleich das ganze illegal erstellte Ibiza-Video veröffentlichte.

Ein Kommentar von René Rabeder

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„Strache vernichten“ im öffentlichen Interesse?

Egal was auch immer für Ausreden kommen mögen, diese Erklärung ist alles, was man zu wissen braucht. Da haben Sie, Herr Obermaier, also gemeinsam mit anderen Journalisten-Darstellern Ihrer Redaktion und der des „Spiegel“ entschieden, dass „überragendes öffentliches Interesse“ daran besteht, den österreichischen Vizekanzler zu vernichten. Ein extrem linker „Komiker“ und die Wiener Stadtzeitung „Falter“ haben auch irgendeine Rolle gespielt. Aber dazu später …

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Um Journalismus ging es nie

In mühevoller Arbeit haben Sie es auf die Szenen heruntergebrochen, die Heinz-Christian Strache in ein verheerendes Licht rücken sollten. Um „Journalismus“ ging es dabei nie. Es war ein Putsch aus dem Ausland. Sie wollten (und es ist gelungen) eine extrem beliebte und erfolgreiche Bundesregierung sprengen. Waren am Ende auch noch Politiker und Geheimdienste in die sehr professionelle Aktion verwickelt? Wahrscheinlich. Gäbe es noch echte Journalisten im Mainstream, würden wir alles vermutlich schon längst genauer wissen.

„Ihr seid erbärmlich“

Und das führt uns zum nächsten Problem, das ich, mit Verlaub, nicht einmal noch sachlich ansprechen will:
Ihr Schreibhuren und Schmierfinken, egal ob ihr euch „Boulevard“- oder gar „Qualitätsjournalisten“ nennt, seid eine Schande für eure Zunft. Ihr „Irgendwasmitmedien-Typen“ seid also nie auf die Idee gekommen, die Hintergründe dieser widerlichen Geschichte zu recherchieren? Auch nicht, als Heinz-Christian Strache immer wieder beteuerte, dass er an diesem Abend vehement klar gemacht hatte, dass es mit ihm nur „gerade Geschichten“ geben könne. Natürlich nicht! Ihr seid ja keine neutralen Journalisten. Einige von euch sind wenigstens ganz offen politische Aktivisten. Wie „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk, der sich sicher riesig über das Ende einer rechtskonservativen Bundesregierung freute. Geschenkt. Aber ihr anderen? Ihr seid einfach Versager. Hättet ihr einen Funken Anstand, würdet ihr am Montag eure Topfplanze packen und den Schreibtisch in eurer Redaktion räumen. Aber ihr schweigt. Wie immer, wenn für euch unangenehme Wahrheiten ans Licht treten. Kein Kommentar. Kein Tweet. Keine Entschuldigung. Erbärmlich.

Eine Mischung aus Kottan, Pulp Fiction und Mundl“, nannte Klenk das, was ausgerechnet er, im ungeschnittenen Video sehen durfte. Ich kann mich an die Kottan-Episode nicht erinnern, in der ein Politiker (noch dazu nicht nüchtern) sich nicht einmal durch 270 Millionen Euro in eine Falle locken ließ. Aber gut.

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„Karriere ohne Ehre“

Und dann gibt es freilich noch eine leider große Anzahl blauer Funktionäre, die ohne die Arbeit HC Straches in ihrer Karriere wahrscheinlich maximal Energie-Drinks in Tankstellen-Shops geschlichtet hätten. Just diese waren es, die ihrem ehemaligen Chef sofort in den Rücken fielen. Auch für euch fällt mir nur ein Wort ein: Erbärmlich.

Für alle, die an diesem Putsch, diesem „größten medienpolitischen Skandal der Nachkriegsgeschichte“, wie Petr Bystron, Obmann der AfD im Auswärtigen Ausschuss es formulierte, direkt oder indirekt beteiligt gewesen sind, habe ich nur noch einen Termin:

11. Oktober 2020.

Bildquellen

  • Ibiza: Who is Danny / Shutterstock.com (edited)