Die oberösterreichische Ärztekammer fordert einen neuen Diskurs beim Thema Covid-19. Auf gar keinen Fall bestehe angesichts steigender Zahlen Grund zur Panik. Ganz im Gegenteil: Es gäbe keine zweite Welle, sondern einen „technischen Labor-Tsunami“. Damit bestätigt die Kammer auch jene Einschätzung, die HC Strache am Sonntag in der ORF-„Pressestunde“ äußerte.

Strache meinte, er sehe aktuell „keine Pandemie“ und keinen Grund zur Panik, verwies aber auf die Notwendigkeit, Risikogruppen zu schützen. Für diese Aussage geriet Strache (wie zu erwarten war) in die Kritik des Mainstreams. Dabei werden die Aussagen der Ärztekammer und erfahrener Mediziner ignoriert.

Anzeigen

„Nicht auf andere Krankheiten vergessen“

Gefordert wird von der OÖ Ärztekammer unter anderem, das Covid-19-Testungen von Hausärzten angeordnet werden sollen und besonders dringlich: Es dürfe angesichts des generellen Viren-Herbstes nicht auf andere Krankheiten vergessen werden. Ein Appell, den auch der Facharzt für Innere Medizin, Dr. Marcus Franz im Interview mit „Jetzt24“ äußerte.

„Der Test alleine macht keine Diagnose“

„Viren gibt es schon immer und wir leben damit. Das soll keine Bagatellisierung sein, wir wollen aber die Angst herausnehmen und aus der Schockstarre holen“, so Ärztekammer für OÖ-Präsident Peter Niedermoser. Er fordert Verhältnismäßigkeit ein: „Ja, Covid-19 ist eine Krankheit, an der man sterben kann, aber es geht uns um den pragmatischen Zugang. Es braucht eine breitere Diskussion und mehr Meinungen in der Öffentlichkeit, wir wissen jetzt wesentlich mehr als noch vor Beginn der Corona-Pandemie. Wir haben den Eindruck, dass in anderen Ländern wesentlich offener diskutiert wird mit Medizinern.“ Panik sei jedenfalls der völlig falsche Weg.

Noch deutlicher formuliert es Petra Apfalter, Leiterin des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin am Ordensklinikum Linz. Es werde zu viel getestet. „Der Test alleine macht noch keine Diagnose, wir brauchen dafür die Einschätzung eines Arztes. Ich appelliere, die Diagnostik wieder der Medizin zu übergeben. Ich appelliere, aufzuhören mit dem kreuz und quer durch die Branchen zu testen!“ Tests würden helfen, Gesunde von Kranken zu unterscheiden, eine Diagnose aber brauche immer eine Zusammenschau von Testergebnis und dem klinischen Kontext.

Quelle: ©Ärztekammer für Oberösterreich
OMR Dr. Ziegler, Dr. Niedermoser, Prim. Univ.-Prof. Dr. Apfalter, Univ. Prof. Dr. Allerberger, Prim. Priv.-Doz. Dr. Gattringer, Dr. med. univ. Sprenger, MPH und Univ.-Prof. Dr. Weiss.
„Zweite Welle ist der Teststrategie geschuldet“

Nur die Fallzahl als Kennzahl herzunehmen greife zu kurz, und die Fallzahl sei auch die ungeeignetste Kennzahl – „die zweite Welle ist der Teststrategie geschuldet, aber nicht den Erkrankungszahlen.“ „Wir behandeln nicht Laborwerte, sondern Patienten“, schließt sich auch Niedermoser an.

Für viele kritische Beobachter liegt aber der Verdacht nahe, die Bundesregierung würde Hauptsächlich „Wähler behandeln“. Und diese „Behandlung“ fällt eben mit einer großen Dosis Angst leichter …

Bildquellen

  • ÄrztekammerOÖ: ©Ärztekammer für Oberösterreich
  • Maske: Symbolbild. Pixabay / coyot