„Sie haben die Hautevolee. Ich will die Menschen”, sagte der damalige Präsidentschaftskandidat und heutige FPÖ-Chef Norbert Hofer einst zu Alexander Van der Bellen. Wen Hofer damit genau meinte, ist nicht überliefert. Das stolze Mitglied eines historisch tiefschwarzen und äußerst elitären Ordens wird damit kaum „Herrn und Frau Österreicher“ oder die „echten Wiener“ gemeint haben.

Von René Rabeder

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Die Grenze zwischen ÖVP und Hofer-FPÖ verschwimmt

Die Mitgliedschaft so vieler blauer Politiker im „St. Georgs Orden Habsburg-Lothringen“ taugt für sich genommen jedenfalls schon alleine als Beweis dafür, wer zwischen HC Straches Bürgerbewegung und der FPÖ denn nun den „Freiheitlichen Weg“ als das Original weiterführt …

Stolz trägt Hofer bei so gut wie jedem Anlass das Ordensabzeichen am Revers. Das achteckige Kreuz soll das „achtfache Elend der Welt“ darstellen, gegen das er und seine Ritter ankämpfen müssten: „Krankheit und Verlassenheit, Heimatlosigkeit und Hunger, Lieblosigkeit und Schuld, Gleichgültigkeit und Unglaube.“
Laut Statut bezeichnet sich der Orden als „elitär“. War die Aufnahme einst nur Adeligen vorbehalten, sollen nun eben „Eliten aufgebaut“ werden, die „im Sinne der Wertevorstellung des Ordens agieren“. Bricht man alleine dieses Bestreben auf das Wesentliche hinunter, hat man die Erklärung für eine gelebte Realität Österreichs Politik – nämlich, dass die Unterschiede zwischen der Hofer FPÖ und der ÖVP immer geringer zu werden scheinen.

Mächtige schwarze Fürsten

So gehören neben mächtigen „schwarzen Landesfürsten a.D.“ Erwin Pröll (NÖ), Josef Püringer (OÖ), Franz Schausberger (Sbg) und Herwig van Staa (T) nicht zuletzt auch aktuell türkis angestrichene VP-Größen wie Reinhold Lopatka (Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Abg. d. NR und Klubobmann a. D. des ÖVP-Parlamentsklubs), der Bürgermeister der Stadt Graz, Siegfried Nagl und auch der amtiere Landeshauptmann Oberösterreichs, Thomas Stelzer dem Orden an.
Letztgenannter ist im Land ob der Enns mit der FPÖ von Manfred Haimbuchner in einer Koalition und sprach sich dezidiert für eine Covid-19 Impfpflicht aus. Angesichts der Tatsache, dass brüderlicher Zusammenhalt in einem so elitären Orden wohl an erster Stelle steht, wird es spannend zu beobachten sein, wie Norbert Hofer seinem Ordensbruder Stelzer im Fall der Fälle einer groß aufflammenden Debatte darüber entgegentreten würde.

Blaues Blut im schwarzen Ritterorden

Blickt man in die Stadt Wien, wird das „Blaue Blut“ im schwarzen Ritterorden sogar noch dicker. Mit Vizebürgermeister Dominik Nepp ist immerhin der aktuelle FP-Spitzenkandidat bei der Wien-Wahl am 11. Oktober Mitglied im St. Georgs Orden. Auch Maximilian Krauss ist mit von der elitären Partie, der auch Johann Gudenus einmal angehörte: „Beim letzten Ordenstag im vergangenen April zogen die Ritter hinter dem Kaiserenkel mit Gefolge vom Stephansdom bis ins Wiener Rathaus, wo der blaue Vizebürgermeister Johann Gudenus, ebenfalls Mitglied der Ritterrunde, zu einem Empfang lud“, erinnert man sich noch.

Ja, als „Ehrenritter“ genießt man eben auch als FPÖler die Exklusivität eines aus Adeligen, hohen Beamten, kirchlichen Würdenträgern und ausgesuchten Politikern bestehenden Vereins, der sich als „europäischer Orden des Hauses Habsburg“ bezeichnet. Zumindest so lange es eben geht und man diesen Kreisen opportun ist. Dass man sich mit zwei eigentlichen Hauptgegnern der alten liberalen Bewegung ins Boot setzt – dem Klerus und dem Adel – scheint da nicht weiter zu stören. „Hauptsache man darf dabei sein“, scheint das blaue Motto. Für Prinzipien oder gar dem Willen der Wähler ist da nicht immer Platz.

Selfie-Ritter gegen Strache

Praktisch für Dominik Nepp: Mit Gerald Grosz, einem ehemaligen orangenen Mitglied Jörg Haiders „Buberlpartie“ findet er unter seinen Ordensbrüdern einen willigen Wahlhelfer. So versucht Grosz, dessen persönlicher Lebenswandel den einen oder anderen „wertkonservativen Christen“ vermutlich die Augenbrauen hochziehen lässt (wenn nicht sogar die Zehennägel hochrollen), mittels „Selfie-Videos“ Stimmung gegen HC Strache und dessen potentielle Wähler zu machen.

Der „Blaue Baron“ Norbert van Handel

Zu verdanken haben die Mitglieder „ihren Orden“ übrigens Norbert van Handel. Der Oberösterreicher, der sich gerne selbst „Baron“ nennen lässt, hat den ursprünglich ins Jahr 1308 zurückgehenden Orden 2007 auf neue Beine gestellt. Dann viele ÖVP-Größen zu Rittern gemacht, 2019 für ein Nationalratsmandat der FPÖ kandidiert, um – daran knapp gescheitert – schließlich im Alter von 77 Jahren Berater Norbert Hofers geworden zu sein. So schließt sich der Kreis. Man bleibt ja unter sich.

„Sie haben die Hautevolee, ich die Menschen“ … 

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