Vor 2015 wäre eine solche Geschichte in Österreich beinahe undenkbar gewesen, mittlerweile hat man sich schon fast daran gewöhnt. Trotzdem ist das, was sich im März in Wien-Ottakring abgespielt hat, schockierend: Weil er seine Nachbarin für eine Spionin hielt, stach ein Iraker auf sie ein, hätte sie um ein Haar getötet.

Am Montag wurde er am Straflandesgericht in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.
Der Iraker war im Wahn auf eine 31-Jährige losgegangen, die gerade im Innenhof eine Zigarette rauchte. Laut psychiatrischem Gutachten leidet der Mann unter paranoider Schizophrenie.

Anzeigen

„Psychisch krank“

Der 21-Jährige musste sich nicht wegen versuchten Mordes verantworten, da er laut dem Sachverständigen Peter Hofmann in einem akuten psychotischen Schub zugestochen hatte. Er hielt die Nachbarin für eine Spionin, die ihm Fotos vom Handy stehlen würde. Der junge Mann war überzeugt, dass die Frau zu einem Ring von Spezialpolizisten gehöre, die regelmäßig in seine Wohnung komme, um internationale Gespräche zu führen, so Hofmann.
Der 21-Jährige kam vor drei Jahren mit seinem Bruder aus dem Irak, ist seither kein Unbekannter. 2018 wurde er in Graz auf einer Psychiatrie stationär aufgenommen, weil er einen Mitbewohner geschlagen hatte, da dieser seiner Meinung nach von bösen Geistern besessen sei. Damals diagnostizierten die Ärzte eine schwere Krankheit, doch der Iraker wollte sich nicht behandeln lassen.

In den Hals gestochen

Im März kam es dann zur Wahnsinnstat: Die 31-Jährige, die gerade mit einer Freundin telefonierte, glaubte zunächst, dass er ihr in den Bauch geboxt habe. Als sie das Blut sah, schrie sie ihrer Freundin durchs Telefon: „Er sticht! Bitte ruf die Polizei!“ Der 21-Jährige sagte ihr: „Sei leise!“ Dann stach er ihr in die Brust, in den Arm, in den Rücken, in den Kopf und mehrmals in den Hals.

Opfer hatte enormes Glück

Es war nur einer „glücklichen Fügung“ zu verdanken, dass die elf Zentimeter lange Klinge nicht die Halsschlagader eröffnet hat, berichtete der Gerichtsmediziner.
Der Gutachter riet zu einer Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. So geschah es dann auch. Die Entscheidung ist bereits rechtskräftig.

Bildquellen

  • Messer: Andrii Spy_k / Shutterstock.com