Bereits im September berichtete „Jetzt24“ über den tiefschwarzen St. Georgs-Orden. Vor allem die Freiheitlichen wurden in den letzten Jahren von dieser Habsburg-monarchistischen ÖVP-Blase sichtbar unterwandert. So ist etwa auch der derzeitige FPÖ-Chef Norbert Hofer ein stolzes Mitglied im elitären Orden. Damit lässt sich auch die auffallende Anbiederung der Blauen an die ÖVP erklären, die nun ganz offen gelebt wird. Hofers Vorgänger, HC Strache, kann hier mit gutem Recht behaupten: „Mit mir hätte es das nicht gegeben!“ – Schließlich lehnte er eine Aufnahme in den Ritterbund 2018 (damals als Vizekanzler) aus tiefster Überzeugung ab.

Von René Rabeder

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Warum wir arm sind

Als leidenschaftlicher Anhänger der 1848er-Freiheitsbewegung kritisiert Strache unter anderem die Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie. „Heute werden Grundrechte und Freiheitsrechte mit Füßen getreten“, betonte er im Wahlkampf immer wieder.

„Ihr habet Orden und Ämter und Pfründen
Wir leben um Euer Lob zu verkünden,
Wir schmeicheln Euern Launen und Sünden,
Denn — warum sind wir arm?“ …

… Schrieb Karl Beck in seinem Werk „Warum wir arm sind“ und brachte damit den Unmut zum Ausdruck, der im Winter 1848 bei den ohnehin schon benachteiligten Bevölkerungsgruppen ob der großen Not herrschte. Man kann hier historisch durchaus Parallelen zur aktuellen Situation erkennen. Auch heute sind es besonders die ohnehin schon Armen und Schwachen, die von der den Auswirkungen der Corona-Maßnahmen der ÖVP-Bundesregierung so hart getroffen sind.

In diesem Licht muss man besonders kritisch hinterfragen, warum so viele angeblich freiheitliche Politiker in einem elitär-monarchistischen Ritterorden zu finden sind.

Nicht mit Straches Grundsätzen vereinbar

HC Strache lehnte eine Einladung in den Orden ab: „Herr Norbert Van Handel hat mich als Vizekanzler im Auftrag und auf Wunsch des St. Georgs-Ordens im Jahr 2018 gefragt, ob ich die Aufnahme in den Orden annehmen will, was ich jedoch aus Freiheitlichen Idealen und Grundsätzen heraus konsequent, freundlich, aber sehr bestimmt abgelehnt habe“, so Strache, der entschlossen fortfährt: „Denn ich kann mit den Grundsätzen einer Pan-Europa-Idee, mit einem monarchistischen schwarzen (ÖVP) St. Georgs-Orden, wo man die Treue auf Habsburg, das Kaiserhaus und die Monarchie schwört, als freiheitsbewusster Patriot und Demokrat gar nichts anfangen. Das widerspricht meinen national-freiheitlichen Grundsätzen, welche auf den Grundlagen der 1848er-Freiheitsrevolution der Arbeiter, Bürger und Studenten beruhen, diametral!“

Blaues Blut für schwarze Ritter

Die FPÖ-Politiker Norbert Hofer, Dominik Nepp, Johann Gudenus, Paul Stadler, Harald Stefan, Markus Tschank, Gerald Ebinger, Michael Schnedlitz, Michael Niegl und Maximilian Kraus hätten sich seines Wissens und aufgrund diverser Online– und Medienberichte jedoch für den St. Georgs-Orden und damit sichtbar gegen die 1848er-Ideale entschieden.

Das ist nicht mein Freiheitlicher Weg. Ich bleibe meinem Freiheitlichen Weg treu, wie so viele meiner Unterstützer, welche mit einem Löwenherz seit 15 Jahren den gemeinsam Freiheitlichen Weg unterstützt haben und diesen nunmehr im Team HC Strache konsequent weitergehen“, so Strache.
Karl Baron (Klubobmann des „Team HC Strache“, Anm. d. Red.) war Mitglied des St. Georg-Ordens, ist jedoch in Folge nach der Gründung des Team HC Strache ausgetreten, da er sich mit den Grundsätzen des Ordens nicht identifizieren konnte.

Brisant: Tatsächlich ist laut sämtlicher Quellen auch der FPÖ-Spitzenkandidat bei der Wien-Wahl, Dominik Nepp, Mitglied im Orden. Bei einer TV-Diskussion bestritt er dies jedoch zuletzt. Beobachter mutmaßen, dass er nach der ersten „Jetzt24“-Berichterstattung aus dem Bund ausgetreten sein könnte, um die „schiefe Optik“ im Wahlkampf zu korrigieren und potentiellen Wählern vorzuspielen, doch einer von ihnen zu sein.

Für eine Stellungnahme, ob es einen Austritt Nepps gegeben hat (und wann), war der St. Georgs-Orden für uns bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Bildquellen

  • HC Strache: Jetzt24